Du betrachtest gerade Australien 2025 Tag 10: Kangaroo Island
Koalas von der einen Seite bei Sonne

Nach den weniger spektakulären letzten Tagen mit viel Fahrerei hat der heutige Tag unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Los ging es gemütlich. Wir hatten vor Monaten eine Fähre nach Kangaroo Island um 10 Uhr gebucht. Vor wenigen Wochen wurden wir ohne Angabe von Gründen auf 12 Uhr umgebucht.

Fähre Cape Jervis – Penneshaw

Als wir um kurz vor 10 Uhr in Cape Jervis am Hafen ankamen, wurde gerade eine Fähre entladen. Wir gingen ins Terminal zum Check-in. Dort wurde uns angeboten auf Standby für die 10 Uhr Fähre gesetzt zu werden. Das nahmen wir natürlich gerne an. Und tatsächlich kamen wir noch auf die frühere Fähre.

Boarding

Eigentlich hätten wir schon mit den neuen Fähren fahren sollen. Der Wechsel war für Mai geplant. Die neuen Fähren haben ein Drive-Through-Design, d.h. man fährt vorwärts auf die Fähre und auch wieder vorwärts von der Fähre herunter. Da sich die Lieferung der neuen Fähren verzögert hat, mussten wir jetzt doch noch rückwärts auf die alte Fähre fahren. Der Einweiser machte aber einen sehr guten Job, sodass das kein Problem war. Die Fähre war auch nicht ganz voll und wir mussten gar nicht weit rückwärts fahren. Umso weniger verstehen wir, warum man uns auf eine spätere Zeit umgebucht hatte. Da wir auf Standby waren, durften wir beide im Wohnmobil boarden. Normalerweise darf nur der Fahrer im Fahrzeug sein, alle anderen Personen müssen als Fußpassagiere boarden.

Als wir das Auto abschließen wollten, ging dies nicht. Wir haben keine Ahnung warum. Vielleicht war das Signal irgendwie gestört. Wir versuchten es mehrfach und probierten auch die Knöpfe per Hand herunter zu drücken. Der erste ging, der zweite nicht. Das könnte ein Sicherheitsfeature sein. Im Endeffekt mussten wir die Fahrertür unabgesperrt lassen. Zum Glück sieht man das Autodeck von oben, sodass wir unser Wohnmobil während der gesamten Überfahrt im Blick hatten.

Überfahrt

Da es sehr windig war, wurden wir auf der Überfahrt ordentlich durchgeschaukelt. An der frischen Luft ließ sich das aber noch ganz gut aushalten. Leider kommt man draußen nicht auf ein Deck nach vorne. Man kann nur seitlich und hinten herumlaufen. Auf halber Strecke kam uns die Fähre von Kangaroo Island entgegen.

Nach ca. 45 Minuten waren wir dann auch schon in Penneshaw auf Kangaroo Island.

Da wir als letztes auf die Fähre gefahren waren, standen wir direkt vorne an der Rampe und konnten als erste herunterfahren. Wir fuhren aber im Ort nochmal kurz an die Seite, um den eventuell schnelleren Verkehr durchzulassen. Im Endeffekt wäre das gar nicht nötig gewesen, da die Straßen auf Kangaroo Island sehr gut sind. Wir konnten mit dem Wohnmobil gut die erlaubte Geschwindigkeit fahren.

Seal Bay

Auf dem Weg zum Campingplatz am anderen Ende der Insel hatten wir noch einen Zwischenstopp eingeplant. Wir wollten die Seal Bay Guided Tour machen. Wir hatten lange überlegt, ob die Tour wirklich nötig ist oder ob es reicht Eintritt für den Boardwalk zu zahlen. Da wir die Situation mit Informationen aus dem Internet nicht wirklich einschätzen konnten, entschieden wir uns für die Tour. Der Parkplatz an der Seal Bay war nicht riesig, aber es gab einige Plätze für längere Fahrzeuge. Als wir geparkt hatten, gingen wir direkt ins Büro, um zu fragen, ob bei der nächsten Tour noch Plätze frei seien. Die Tour in 45 Minuten hatte erst drei Teilnehmer. Wir buchten und aßen noch schnell im Wohnmobil zu Mittag. Brote hatten wir schon geschmiert, da wir ja eigentlich dachten erst mit der Fähre um 12 Uhr zu fahren und dann an Board essen wollten.

Guided Tour

Zu unser Tour kamen keine weiteren Teilnehmer hinzu. So machten wir uns nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung auf den Weg hinunter zum Strand. Erst ging es über ein Stück Asphalt, dann über einen Boardwalk. Mehrmals musste unser Guide Tore öffnen. Sie sollen verhindern, dass die Seelöwen bis zum Büro hochkommen, was wohl früher schon passiert ist. Vom Boardwalk aus sahen wir die ersten Tiere. Unser Guide erzählte uns einige interessante Dinge, während wir fotografierten.

Das letzte Stück ging es über Treppen hinunter auf den Strand. Wir blieben aber nur wenige Meter von den Treppen stehen. Das hatten wir uns eigentlich etwas anders vorgestellt nach der Beschreibung. Natürlich muss man Abstand von den Seelöwen halten. Aber wir dachten genau dafür hätten wir einen Guide. Auf dem Strand verteilt lagen immer wieder Seelöwen, aber nicht so viele, dass man nicht mit viel Abstand hätte daran vorbeilaufen können.

Nach wenigen Minuten mussten wir den Strand wieder verlassen. Die 45 Minuten waren schon fast vorbei.

Boardwalk

Nach Abschluss der Tour darf man noch auf den Boardwalk gehen. Von dort sieht man ähnlich wie auf dem Boardwalk bei der Tour bereits die ersten Seelöwen. Das Ende des Boardwalks ist eine Plattform etwas oberhalb des Strandes. Man steht also etwas über den Seelöwen. Da man bei der Tour aber auch nicht wirklich auf dem Strand herumläuft, macht das kaum einen Unterschied. Dazu kommt, dass die Plattform des Boardwalks an einem besonders schönen Ende des Strandes liegt. Man sieht die Seelöwen dort in einer hübschen Umgebung. Im Nachhinein würden wir empfehlen ein paar Dollar zu sparen und nur den Boardwalk zu machen.

Nachdem wir weitere 45 Minuten auf dem Boardwalk verbracht hatten, gingen wir noch kurz zum Lookout. Von dort sieht man ganz gut, wo die Tour verläuft und wo man ohne Tour hinkommt. Der Boardwalk im hinteren Bereich ist der Teil, auf dem man bei der Guided Tour unterwegs ist. Von der Plattform aus gehen dann die Treppen hinunter zum Strand. Die Plattform am unteren linken Bildrand ist das Ende des Boardwalks, den man auf eigene Faust entlang gehen darf.

Den Besuch insgesamt würden wir empfehlen. Uns hat es gut gefallen. Und im Gegensatz zur Seebären-Kolonie in Namibia am Cape Cross verbreiten die Seelöwen hier überhaupt keinen Gestank. Ob das nur daran liegt, dass es viel weniger sind, wissen wir nicht.

Campingplatz

Anschließend fuhren wir weiter zu unserem Campingplatz. Beim Check-in erkundigten wir uns, wo wir die besten Chancen auf Koalas hätten. Wir konnten es kaum erwarten den ersten zu sehen. Die Dame an der Rezeption war super nett. Sie markierte uns auf der Karte des Campingplatzes mehrere Reihen von Bäumen, die gerne von Koalas besucht werden.

Possums

Zusätzlich zeigte sie uns noch einen Baum, der unten mit Blechplatten umschlossen war. Darin hatte sich ein Possum mit seinem Jungen eingenistet. Wir gingen direkt dorthin und sahen die beiden tatsächlich.

Koalas

Bevor wir zu unserem Platz fuhren, prüften wir auch gerade noch die ersten Lieblingsbäume der Koalas. Und wir entdeckten sofort eine Mutter mit ihrem Jungen. Die Jungtiere werden von den Australiern übrigens „Joey“ genannt. Die beiden waren relativ weit oben im Baum. Natürlich machten wir trotzdem die ersten Fotos. Kurz darauf trauten wir unseren Augen nicht: Sie fingen an zu uns nach unten zu klettern.

Wir konnten unser Glück kaum fassen. Dass wir auf unserer Reise Koalas sehen würden, war ziemlich wahrscheinlich. Aber von den Fotos, die uns bei unseren Recherchen untergekommen waren, hatten wir befürchtet, dass die Sichtungen eher so aussehen würden wie mein erstes Foto: ein graues Fellknäuel weit oben in einem Baum. Und jetzt war direkt unsere erste Sichtung so ein Volltreffer. Die beiden Koalas ließen sich in einer Astgabel fast vor unserer Nase nieder.

Für einen Augenblick kam sogar die Sonne heraus. Das in diesem Moment entstandene Bild war mein erstes Lieblingsbild, sollte aber im weiteren Verlauf des Tages noch übertroffen werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir komplett alleine mit „unseren Koalas“. Nach und nach erkannten aber auch andere Camper, dass es hier etwas zu sehen gab. Nach einer ausführlichen Fotosession parkten wir erst mal das Wohnmobil auf unserem Platz. Anschließend suchten wir noch weitere Koalas. Wir fanden insgesamt im Laufe des Nachmittags drei Mütter mit Joeys und einen einzelnen Koala, vermutlich ein Männchen. Eine Mutter und ihr Joey waren ebenfalls sehr niedrig in einem Baum und dadurch schön zu sehen. Die anderen waren deutlich schlechter zu sehen.

Bei diesen beiden trafen wir ein deutsches Paar und ein Paar aus der französischsprachigen Schweiz. Sie waren ebenfalls sehr geduldig, fotografierten ausgiebig und mit echter Kamera. Wir kamen ins Gespräch und ich berichtete ihnen von unserer ersten Sichtung, von der sie noch gar nichts mitbekommen hatten. Da die zweite Mutter und ihr Joey weniger aktiv waren, gingen wir wieder zu den ersten Koalas zurück. Dort fotografierten wir weiter. Zwischendurch kamen immer wieder kurz andere Personen hinzu, schossen ein paar Handybilder und gingen weiter. Wir konnten uns aber nicht losreißen von den süßen Koalas.

Irgendwann wurden die Koalas unruhig und der Joey kletterte auf den Rücken seiner Mutter. Kurz darauf kletterte die Mutter mit ihm auf dem Rücken den Stamm herunter. Dann lief sie weiter mit ihm auf dem Rücken zu einem anderen Baum und kletterte dort hoch.

Ich vermute, da haben wir den Jackpot gleich am ersten Tag geknackt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so etwas oft zu sehen bekommt. Wir waren natürlich alle hellauf begeistert. Und auch jetzt war die „Show“ noch nicht vorbei. Der Kleine war anscheinend hungrig und kletterte auf eigene Faust ein Stück von seiner Mutter weg. Dort versuchte er an Blätter zu kommen ohne vom Baum zu fallen. Das sah noch etwas unbeholfen aus, war aber so süß!

Kängurus

Zwischendurch liefen wir immer wieder über den Campingplatz und schauten, was uns sonst noch geboten wurde. Ein weiteres Highlight war ein Känguru mit seinem Jungen. Auch Känguru-Junge werden von den Australiern „Joey“ genannt. Der Kleine fand es dauerhaft im Beutel zu langweilig und kletterte immer mal wieder heraus um selbst Futter zu suchen und ein bisschen herum zu hüpfen.

Wallabys

Einige Wallabys fanden wir auch, aber bei der Konkurrenz, hatten sie nicht wirklich eine Chance.

Die Stellplätze hier sind nicht ganz so schön wie auf manch einem der bisherigen Campingplätze und die Sanitäranlagen sind auch nicht allzu modern, aber bei der tierischen Gesellschaft stört uns das überhaupt nicht.

Bis es dunkel wurde, wechselten wir immer wieder zwischen den verschiedenen Schauplätzen hin und her. Erst dann „trauten“ wir uns zu Abend zu essen. Danach schickten wir noch schnell ein paar Koala-Bilder in die Heimat und fielen dann überglücklich ins Bett.

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