Heute Morgen sah es wieder viel freundlicher aus. Der Himmel hatte vereinzelte blaue Flecken und es war trocken. Nach dem Frühstück drehte ich eine Runde über den Campingplatz, um zu schauen, ob in einem der Bäume vielleicht ein Koala sitzt. Manchmal ist das wohl der Fall, aber in den letzten Tagen wurde keiner gesichtet.
Elsterangriff
Als ich mit meiner Runde fast fertig war, wurde ich mitten auf dem Weg völlig unerwartet von hinten oben attackiert. Ich hörte nur noch ein Krächzen und spürte etwas auf meinem Kopf. Dann sah ich eine Elster wegfliegen. Ich war total schockiert. Damit hätte ich jetzt echt nicht gerechnet. Wir hatten gestern am Parkplatz des Nature Walks eine Warnung vor Elstern gesehen, aber ohne weitere Info. Auf dem Campingplatz wurde uns beim Check-in nichts gesagt. Wir dachten die Warnung würde bedeuten, dass man dort vielleicht nicht picknicken soll und die Elstern nicht füttern soll.
Ich lief schnell zurück zum Wohnmobil. Als ich dort ankam, hatte ich zwei Blutspuren von oben hinten am Kopf bis fast in den Nacken. Da wir nur ein Desinfektionsgel für die Hände und kein Desinfektionsspray o.Ä. haben, spülten wir meinen Kopf ordentlich an der Spüle des Wohnmobils ab, nachdem die Blutung gestoppt war. Duschen wollte ich lieber nicht, da das Wasser in den Duschen hier auf dem Campingplatz kein Trinkwasser ist. In unserem Tank haben wir Trinkwasser, weil wir immer darauf geachtet haben nur solches nachzufüllen. Die Wunden scheinen sehr oberflächlich zu sein. Sonst hätte es sicher länger geblutet. Gemerkt habe ich aber noch mehrere Stunden etwas.
Wir warnten Josée und Michel, da sie auch gerade aufwachten und anfingen auf dem Campingplatz herumzulaufen. Sie schauten noch in ihrem Erste-Hilfe-Set nach Desinfektionsmittel, hatten aber keins. Auf die Idee waren wir gar nicht gekommen.
Anschließend gingen wir mit Kopfbedeckung zum Schutz vor weiteren Angriffen zur Rezeption. Wir wollten klären, ob wir für den geplanten Nature Walk umparken müssen oder einfach etwas länger als bis zur offiziellen Check-out Zeit stehen bleiben dürfen. Da der Campingplatz so gut wie leer war, gingen wir davon aus, dass das kein Problem sein sollte. Und dem war auch so.
Wir berichteten von dem Angriff. Der nette Herr war gar nicht verwundert. Das sei jedes Jahr für ein paar Wochen ein Problem, wenn die Elstern hier nisten. Danach würden sie weiterziehen. Er würde deshalb nur mit Hut herumlaufen und sich wie ein Verfolgter ständig umdrehen. Manchmal habe man Glück und es gehe so harmlos aus wie bei mir, öfter mal müsse die Verletzung genäht werden. Wir verstanden die Welt nicht mehr. So kann man doch keinen Campingplatz betreiben. Dann muss man ihn in der Zeit schließen oder die Gäste wenigstens warnen. Immerhin war er sehr besorgt um meinen Kopf und fand in seinem Notfallset auch ein Desinfektionsspray, das er uns schenkte.
Kennett River Nature Walk
Auf dem Nature Walk waren wir heute zunächst bis auf ein Känguru in der Ferne ganz alleine, leider auch ohne Gesellschaft von Koalas. Wir fanden keinen einzigen, obwohl wir ein ganzes Stück weiter als gestern gingen. Irgendwann kehrten wir um, weil der Weg sehr zugewachsen war.
Auf dem Rückweg kamen uns vereinzelt Leute entgegen, die ebenfalls nichts gesehen hatten. Josée und Michel waren mehrfach in dem Bereich hin- und hergegangen, in dem der Koala gestern war, und hatten ihn auch nicht gefunden. Wir verabschiedeten uns, weil sich unsere Wege nun trennen. Für die beiden geht es weiter nach Sydney und dann nochmal für 10 Tage an die Westküste. Wir machten uns auf den Weg nach Geelong bei Melbourne, von wo unsere Fähre nach Tasmanien ablegt.
Kennett River – Geelong
Das erste Stück der Great Ocean Road führte weiter sehr kurvig, aber auch sehr schön direkt am Meer entlang. Später ging es durch mehrere Orte. Das war etwas lästig. In Torquay statteten wir dem gelben M einen Besuch ab. Die Speisekarte des Restaurants auf der Fähre hatte uns nicht überzeugt. Deshalb hatten wir uns überlegt ausnahmsweise mittags warm zu essen und für die Fähre Brote zu schmieren. Kochen wollten wir dann aber nicht. Und ein Restaurant zu suchen hatten wir auch keine Lust. Da war das die einfachste und sicherste Option. Einen Parkplatz fanden wir mit etwas Mühe in der Nähe.
Spirit of Tasmania
Anschließend ging es im Stadtverkehr und noch mit einer kleinen Umleitung aufgrund einer Straßensperrung zur Fähre. Wir sind heilfroh, dass die Fähre auf dieser Seite von Melbourne abfährt und wir nicht mitten durch Melbourne fahren mussten. Etwa vier Stunden vor Abfahrt waren wir da und reihten uns in die Schlange vor den noch geschlossenen Check-in Schaltern ein. 2,5 Stunden vor Abfahrt sollte der Check-in beginnen. Wir hatten aber bewusst Puffer gelassen und waren auch bei Weitem nicht die Einzigen.
Vorbereitung Biosecurity
Wir nutzten die Zeit, um unser Wohnmobil innen und unsere Schuhe zu säubern. Tasmanien hat strenge Regeln aus Sorge, dass irgendetwas eingeschleppt wird. Vor uns in der Schlange stand ein „Tassie“, ein Bewohner Tasmaniens, mit seinem Wohnmobil. Wir kamen mit ihm ins Gespräch. Er half uns einzuschätzen, was als sauber gilt und damit in Ordnung ist, und was nicht. Auch beim Thema Lebensmittel bestätigte er uns unsere Rechercheergebnisse. Wir waren seiner Meinung nach bei allem auf der sicheren Seite.
Check-in
Als wir damit fertig waren, gingen wir ins Terminal, um uns dort umzuschauen und die Wartezeit zu überbrücken.
Als wir zurück kamen, hatte der Check-in dann doch schon viel zu früh begonnen. Die Fahrzeuge vor uns waren bereits durch. Die andere Spur hatte noch nicht begonnen. Wir hüpften schnell ins Wohnmobil und checkten ein.
Biosecurity
Danach kamen wir zum Biosecurity Check. Zunächst interessierte man sich für Waffen und Gas. Die Gasflasche mussten wir sogar vorzeigen und sie bekam einen Anhänger, dass sie zugedreht bleiben muss während der Überfahrt. Danach kam der Kühlschrank dran. Wir mussten ein paar Dinge zeigen, aber alles war in Ordnung.
Anschließend durften wir weiter in neue Spuren fahren und wurden in einen anderen Bereich des Terminals zum Warten geschickt. Dort würde man uns gut zwei Stunden vor Abfahrt per Durchsage auffordern zu den Fahrzeugen zurück zu gehen. Auf dem Weg ins Terminal mussten wir durch Scanner ähnlich wie am Flughafen gehen. Wir mussten aber nichts aus unseren Hosentaschen auspacken und es piepste nicht. Es waren also wohl doch andere Scanner. Wir kehrten schon kurz vor der Durchsage ins Wohnmobil zurück.
Boarding
Kurz nach der Durchsage fingen die ersten Fahrzeuge auf den anderen Spuren nach und nach an zu fahren. Wir dachten, sie fahren jetzt auf die Fähre. Als wir selbst dran waren, merkten wir, dass das nur ein Sortieren nach Fahrzeuggrößen war. Wir wurden in eine Spur hinter andere Wohnmobile geschickt. Links neben uns landeten Wohnwagen, rechts neben uns standen etwas höhere PKWs, noch weiter rechts normale PKWs. Nach einer Weile setzte sich die erste PKW-Spur in Bewegung und jetzt konnten wir auch sehen, dass sie auf eine Rampe fuhren. Nach und nach kamen die anderen Reihen dran. Zwischendurch wurden Fahrzeuge aus Reihen heraus gewunken. Vermutlich, weil gerade noch eine Lücke für ein solches Fahrzeug frei war. Auch wir und einige andere aus unserer Reihe wurden vorzeitig herausgewunken.
Fahrzeugdeck
Nachdem wir die Rampe hoch und ins Schiff gefahren waren, wurden wir ganz nach rechts geschickt. Das war eine sehr knappe Geschichte. Über den linken Spuren war nämlich eine Rampe, unter die wir nicht passten, und rechts war kaum Platz zur Wand. Wir wurden aber wieder genau dirigiert. Als ein Fahrzeug aus der linken Spur noch weiter als die Rampe hinausragte, musste man uns den Spiegel auf der Beifahrerseite einklappen, damit wir überhaupt bis an die gewünschte Position kamen. Aussteigen ging nur mit Mühe und nur durch die Fahrertür. Die hätten wir aufgrund einer Säule fast auch nicht auf bekommen. Ich unterstelle einfach mal, dass es perfekt so geplant und kein Zufall war. Die Tür ging ganz knapp an der Säule vorbei.
Am hinter uns parkenden Fahrzeug vorbei gelangten wir zum Treppenhaus. Weitere Fahrzeuge waren noch nicht da. Hoffentlich kommen wir morgen früh auch wieder zurück zu unserem Wohnmobil ohne uns an x dreckigen Fahrzeugen entlang quetschen zu müssen. So etwas kennen wir noch von früher, wenn wir auf der Schwedenfähre auf dem LKW-Deck gelandet sind.
Kabine
Wir haben eine Innenkabine gebucht, weil wir sowieso fast die ganze Überfahrt über schlafen werden. Wir mussten sie auch nicht lange suchen, da alles gut ausgeschildert ist und unsere Kabine auch noch sehr nah am Treppenaufgang von unserem Autodeck liegt. Von der Kabine sind wir sogar positiv überrascht. Es ist alles sauber und nichts kaputt. Da sind wir von anderen Linien Schlimmeres gewöhnt.
Deck
Nachdem wir unsere Sachen für die Nacht abgeladen hatten, gingen wir direkt an Deck. Erst fanden wir nur seitlich Möglichkeiten. Ein netter Mitarbeiter der Spirit of Tasmania beschrieb uns dann aber auch einen Weg nach ganz hinten. Wir waren da an einer Stelle nicht weitergegangen, weil der Weg innen durch eine Bar und dann am anderen Ende wieder hinaus führte. Damit hatten wir nicht gerechnet.
An Deck analysierten wir erstmal den Hafen. Viel tat sich nicht mehr. Ein Wohnmobil und ein PKW standen noch am Check-in. Eigentlich waren sie schon zu spät, aber man drückte wohl beide Augen zu. Sie durften weiter durchfahren. Seitlich entdeckten wir etwas Interessantes, was wir als regelmäßige Fährfahrer noch in keinem Hafen gesehen hatten. Am Ufer standen mehrere Kästen mit grün blinkenden Lampen. Oben drauf lasen wir die Aufschrift „Automatic Vacuum Mooring“. Der Name ließ schon vermuten, dass hier Vakuum die üblichen Festmacherleinen ersetzt. Später haben wir dann nachgelesen, dass man mit dem System das Festmachen und Loswerfen beschleunigen will, weniger Personal direkt am Pier braucht und das Verletzungsrisiko durch Leinenrückschlag sinkt – außerdem liegt das Schiff am Anleger oft ruhiger.
So langsam rückte unsere Abfahrtszeit näher. Es wurde auch eine Durchsage für Crewmitglieder gemacht, die nicht mit uns fahren. Sie sollten das Schiff verlassen, da die Gangway bald eingefahren werden würde. Lange Zeit passierte nichts. Wir sollten längst unterwegs sein. Wir nutzten die Zeit, um unsere Brote zu essen. Irgendwann liefen dann zwei Personen mit gelben Westen und einem Koffer vom Terminal zur Gangway. Sie gaben den Koffer ab und gingen wieder an Land. Es muss wohl ein wichtiger Koffer gewesen sein, dass wir extra auf ihn gewartet haben.
Danach wurde die Gangway eingefahren und vorne und hinten positionierten sich jeweils zwei Personen in der Nähe der Leinen, die noch zusätzlich zum Vacuum Mooring System genutzt wurden. Das System wechselte von grün auf orange und dann auf blau. Wir vermuteten, dass das Vakuum nun gelöst war. Nach und nach wurden die Leinen gelockert und dann von jeweils zwei Personen an Land von den Pollern gelöst. Mit ca. 20 Minuten Verspätung konnten wir endlich ablegen.
Überfahrt
Das erste Stück fuhren wir rückwärts, bis wir wenden konnten. Dann fuhren wir in einem großen Bogen aus dem Hafen, vorbei an einer anderen Spirit of Tasmania Fähre. Wir dachten erst, sie würde warten, dass wir den Platz am Kai räumen, aber sie blieb liegen, als wir weg waren. Vermutlich war sie gar nicht in Betrieb und dort nur geparkt.
Wir blieben noch ein paar Minuten an Deck. Als es uns zu kühl wurde, gönnten wir uns noch ein Eis aus dem Bordshop, genau das richtige für kaltes Wetter.
Anschließend duschten wir und gingen sehr früh ins Bett. Eine Durchsage wird uns morgen um 5:15 Uhr wecken, da wir ab 6 Uhr bereit sein müssen zu unserem Wohnmobil zu gehen. Um uns nicht so hetzen zu müssen, entschieden wir unsere eigenen Wecker auf 5 Uhr zu stellen. Als wir gerade schlafen wollten, fing es an ziemlich zu schaukeln. Vielleicht hatten wir gerade die Bucht von Melbourne verlassen. Bisher war die Fahrt nämlich sehr ruhig gewesen. Auf dem Autodeck ging mehrmals eine Alarmanlage los. Dabei waren wir extra per Durchsage darauf hingewiesen worden Alarmanlagen abzuschalten, da sie beim Seegang auslösen und die Batterie leeren können. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass man während der Überfahrt nicht auf die Autodecks kommt.








