Leider stimmte die Wettervorhersage heute mal wieder. Wie angekündigt wachten wir bei Regen auf. Wir hofften noch, dass es im Laufe des Tages irgendwann aufhören würde, aber die Vorhersage sah nicht gut aus. Als wir losfuhren, hingen dichte Wolken über den Bergen auf der anderen Fjordseite. Nach wenigen Kilometern mussten wir kurzzeitig unser Navi ignorieren. Es wollte uns über eine Mountain Road nach Egilsstaðir schicken statt uns weiter auf dem Hringvegur fahren zu lassen.
Leider hatten wir nicht viel von den nächsten Fjorden. Bei besserem Wetter hätte es sicher einige tolle Aussichten gegeben. An manchen Stellen war der Wind ziemlich stark, aber noch etwas unter der Grenze von 15 m/s, ab der wir nicht mehr fahren sollen. Ich hatte die ganze Zeit die Karte mit den Straßenzuständen im Blick, weil an einer Stelle seit mehreren Tagen vor der Möglichkeit von Rentieren auf der Straße gewarnt wurde. Kurz nachdem wir losgefahren waren, sah ich schon die ersten Rentiere, aber wieder ohne eine Möglichkeit zu stoppen.
Rentiere
Kurz hinter der markierten Stelle, als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, entdeckte ich dann tatsächlich welche vor und auf der Straße. Seitlich ging eine Schotterpiste zu irgendwelchen verfallenen Gebäuden ab. Wir reagierten sofort und hielten an der Einfahrt. Die Rentiere waren viel näher als vor ein paar Tagen und schienen auch überhaupt nicht von uns gestört zu sein. Sie kamen sogar noch auf uns zu.
Nach einer Weile beschlossen sie wieder auf die andere Straßenseite zu wechseln und sich von uns weg zu bewegen. Für uns ging es dann weiter. Nachdem wir die Fjorde hinter uns ließen und ins Landesinnere abbogen, fuhren wir durch sehr schöne Berglandschaften mit einzelnen Schneefeldern auf unserer Höhe. Hier hätten wir auch gerne wieder bessere Sicht gehabt.
Auf dem Weg von Egilsstaðir nach Bakkagerði wurde der Wind wieder sehr stark. An einem kleinen Parkplatz, wo wir zu Mittag aßen, prüften wir nochmal die Windstärken. Sie waren so gerade noch im Rahmen. Kurz danach wurden wir dann bei der Überquerung eines kleinen Passes, des Vatnsskarð eystra, von super dichtem Nebel überrascht. Wir konnten teilweise nur noch 20 Meter weit sehen und fuhren im Schneckentempo die enge, kurvige und steile Straße hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter.
Hafnarhólmi
Kurz darauf kamen wir an unserem Campingplatz vorbei, hielten aber nicht, da wir noch nach Hafnarhólmi zu den Papageientauchern wollten. Den Parkplatz musste man wieder per QR-Code von Check-it zahlen wie am Seljalandsfoss. Leider goss es noch immer. Mit 3 °C war es auch ziemlich kalt. Da die Vorhersage keine Besserung versprach, packten wir uns so warm wie möglich und so gut es ging gegen Regen geschützt ein und gingen los. Die Rucksäcke ließen wir im Wohnmobil um sie nicht auch nass zu bekommen. Für meine Kamera hatte ich mir extra für den Urlaub einen Regenschutz gekauft. Er kam heute zum ersten Mal zum Einsatz.
Papageientaucher
Schon von weitem konnten wir erkennen, dass die ganzen Felsen voller Papageientaucher waren. Über unseren Köpfen flogen bereits die ersten hin und her und auf dem Meer schwammen massenweise. Fotografieren konnte ich wegen des Regens und Windes nur in eine Richtung. Das war etwas schade, da in der anderen Richtungen noch mehr Aktivität war. Es gab auch einen kleinen Unterschlupf zur Beobachtung. Dort konnte man sich trocken und vor Wind geschützt hinsetzen und durch kleine Öffnungen die Papageientaucher beobachten. Zum Fotografieren waren die Öffnungen nicht ganz so praktisch, da man oft nicht dorthin kam, wo man hin wollte, z.B. wenn ein Papageientaucher angeflogen kam. Deshalb verbrachte ich die meiste Zeit draußen im Regen.
Besonders spannend fand ich die Landeanflüge, wenn ein Papageientaucher mit 10 bis 12 Sandaalen im Schnabel zurück zum Nest kam. Ich fand es faszinierend, dass sie so viele Fische auf einmal fangen und transportieren können. Eine kurze Recherche ergab, dass sie die Fische einzeln fangen. Den bisherigen Fang klemmen sie mit ihrer rauen Zunge gegen den ebenfalls rauen Oberkiefer. So geht kein Fisch verloren, während weitere gefangen werden.
Die Landung sah oft etwas tollpatschig aus, fast so als würden sie in der Luft stehen bleiben, bevor sie dann wirklich auf dem Boden aufsetzten. Wenn sie wieder weg flogen, stürzten sie sich in die Tiefe, bevor sie anfingen richtig zu fliegen. Beides liegt wohl daran, dass sie verhältnismäßig schwer für ihre Größe sind und kleine Flügel haben. Dadurch sollen sie aber umso besser tauchen können. Das konnte ich natürlich nicht beobachten. Ich sah nur jede Menge Papageientaucher auf dem Meer schwimmen.
Trotz des miesen Wetters war der Besuch absolut lohnenswert. Bei besserem Wetter wären wir sicher stundenlang geblieben. So beließen wir es bei ca. 2 Stunden. Bei dem Dauerregen gaben unsere Jacken auch so langsam auf.
Campingplatz
Wir fuhren das kurze Stück zurück zum Campingplatz in Bakkagerði und gönnten uns dann zunächst eine warme Dusche. Sie war zwar auf 5 Minuten begrenzt, aber super heiß. Bis wir ins Bett gingen, goss es ununterbrochen weiter.




















