Erstaunlicherweise war unser Campingplatz heute Morgen noch immer relativ leer. Es waren nicht spät noch massenweise Wohnmobile gekommen. Beim Frühstück regnete es noch, die Vorhersage versprach aber Besserung. Heute mussten wir das Wohnmobil zunächst nicht bewegen. Wir starteten direkt zu Fuß vom Campingplatz aus und es war tatsächlich trocken. Der Plan war von Arnarstapi an der Küste entlang nach Hellnar zu laufen. Dieser Küstenabschnitt bietet einige skurrile Felsformationen.
Gatklettur
Direkt in Arnarstapi liegt Gatklettur, ein Felsbogen mit einem weiteren Loch. Kurz nachdem wir dort ankamen, fing es nochmal an zu gießen, hörte aber nach kurzer Zeit wieder auf und blieb dann auch trocken.
Auf dem Weg Richtung Hellnar kamen wir an einigen hübschen Stellen vorbei.
Je weiter wir gingen, desto weniger spannend wurde der Weg. Da wir noch nach Ytri Tunga fahren wollten um dort Seehunde zu sehen und danach noch eine längere Fahrstrecke vor uns hatten, beschlossen wir früher als geplant umzukehren.
Campingplatz
Zurück am Campingplatz stand unser Wohnmobil ganz alleine auf der Fläche.
Ytri Tunga
Auf der Fahrt nach Ytri Tunga kam dann sogar die Sonne heraus. Den Parkplatz mussten wir über QR-Code bei Check-it zahlen. Vom Parkplatz waren wir mit wenigen Schritten am Strand.
Seehunde
Auf den Felsen und im Wasser direkt vor uns entdeckten wir zunächst keine Seehunde. Ca. 200 Meter rechts von uns standen einige Leute auf Felsen und wir vermuteten, dass sie Seehunde sahen. Daher machten wir uns auf den Weg dorthin. Wir steuerten erst eine Stelle mit nur wenigen Personen an. Dafür mussten wir über größere und kleinere Felsbrocken klettern. Schon von weitem erkannten wir zwei Seehunde, die es sich auf algenbewachsenen Felsen bequem gemacht hatten. Der eine rührte sich nicht viel. Der andere hob immer wieder den Kopf und beobachtete seine Umgebung.
Nach einer Weile verabschiedeten wir uns von den beiden. Ich ging noch zu der inzwischen sehr großen Menschenansammlung am anderen Ende. Um dorthin zu kommen musste ich auf einigen Metern über kleine Steine balancieren, die von Wasser umspült waren. Ich fand einen etwas höheren Felsbrocken, von dem aus ich über einige andere Leute hinweg die Seehunde beobachten und fotografierten konnte. Das Wasser schien zu steigen. Die Seehunde hatten anscheinend halbwegs trocken gelegen und ihre Felsen wurden jetzt nach und nach überspült. Manche Seehunde bogen sich bei jeder ankommenden Welle bananenförmig um nicht weggespült zu werden.
An einer Stelle lag ein Jungtier neben seiner Mutter. Irgendwann entschied es sich den Felsen zu verlassen. Es schwamm kurz und kletterte dann auf den benachbarten Fels. Das schien gar nicht so einfach zu sein, ebenso wenig wie die Fortbewegung auf dem Felsen.
Da noch immer mehr Menschen zu diesem Punkt strömten und sich so langsam ein Stau an der Balancierstelle bildete, machte ich mich auf den Rückweg. Ich wollte nicht in einer Schlange stehen, während das Wasser weiter steigt, und dann nasse Füße bekommen. Einige Leute hätten meiner Meinung nach ihre Fähigkeiten besser einschätzen sollen und gar nicht bis ganz nach vorne gehen sollen. Sie waren so unsicher zu Fuß auf den Steinen und blockierten alle anderen, weil sie bei jedem Schritt endlos überlegten und irgendwann sogar komplett stehen blieben.
Es gab auch einen Weg etwas oberhalb vom Strand zurück zum Parkplatz, aber ich wählte nochmal den Strand. Ein kleines Stück am Parkplatz vorbei schauten Leute aufs Wasser. Als wir dort ankamen, sahen wir einen einzelnen Seehund auf einem Felsen. Wir blieben noch eine Weile bei ihm.
Als wir gerade gehen wollten, fragte uns jemand, ob wir eigentlich den Seehund direkt hinter uns gesehen hätten. Hatten wir nicht. Wir hatten unsere Blicke die ganze Zeit auf dem Wasser und gar nicht bemerkt, dass auf dem Strand im Schatten eines großen Felsbrockens ein toter Seehund lag. Wir waren etwas überrascht, dass wir ihn nicht gerochen hatten. Er kann noch nicht allzu lange dort gelegen haben. Sonst hätte es sicher ordentlich gestunken.
Wir aßen im Wohnmobil zu Mittag und danach ging ich nochmal kurz an den Strand. Unser einzelner Freund in der Nähe des Parkplatzes hatte seinen Fels gewechselt und war jetzt noch näher am Ufer. Ich beobachtete ihn eine Weile und musste mich dann leider auch von ihm verabschieden.
In der Ferne sah ich nur noch wenige Menschen in dem Bereich, wo wir vorhin gestanden hatten, und sie schienen auch nicht mehr ganz so weit draußen zu sein. Ich vermute, dass die kritische Stelle inzwischen komplett überspült war.
Kurz nachdem wir den Parkplatz verließen, fing es leicht an zu regnen. Da hatten wir wirklich ein gutes Timing. Im weiteren Verlauf unserer Fahrt hörte es aber wieder auf.
Kurz vor dem Campingplatz in Húsafell sahen wir in der Ferne ein Wohnmobil vor uns mit Warnblinker auf der Straße stehen. Wir konnten den Grund erst nicht erkennen. Als wir dort ankamen, erkannten wir, dass der komplette Verkehr gestoppt war. Eine Herde Schafe wurde gerade über die Straße getrieben. Irgendwie war das aber nicht so ganz erfolgreich. Ein Schaf war nicht mitgekommen. Der Hund war schon auf der neuen Straßenseite. Einige Personen trieben das letzte Schaf Richtung Straße. Als es fast drüben war, entschied sich der Hund ihm entgegen zu laufen. Das Schaf geriet sofort in Panik, drehte wieder um und verhedderte sich in einem Zaun. Zum Glück ging ein Herr schnell hin, packt es beherzt und befreite es. Wir durften endlich weiterfahren.
Campingplatz
Auf dem Campingplatz in Húsafell hatten wir dann kein Glück mehr mit dem Wetter. Pünktlich zu unserer Ankunft, als wir gerade einen Platz ausgesucht hatten und hinein manövrierten, fing es fürchterlich an zu schütten. Ein paar Minuten später wäre in Ordnung gewesen. So mussten wir im strömenden Regen unseren Strom anschließen.
Leider gefielen die Wiesen dort in Kombination mit dem Regen auch den Midges. Wir bekamen jede Menge ins Wohnmobil, obwohl wir Moskitonetze haben. Beim Essen wurden wir schon ordentlich zerstochen, danach gingen wir auf die Jagd. Nachdem wir zu Beginn der Reise immer wieder nachts einige Stiche bekommen hatten, wurden wir nach einigen Tagen Ruhe jetzt seit gestern oder vorgestern wieder ein paar Mal gestochen. Bei der Zahl an Viechern heute befürchteten wir aber komplett zerstochen zu werden. Glücklicherweise flogen sie gerne gegen die Dachluken, wo wir sie in Massen auf einmal erledigen konnten.

























