Du betrachtest gerade Island 2026 Tag 18: Kirkjufellsfoss und Kirkjufell
Kirkjufellsfoss und Kirkjufell

Die halbe Nacht über regnete es wieder. Während wir frühstückten, hörte es so langsam auf. Zunächst war uns das Wetter heute gar nicht so wichtig, da wir eine sehr lange Fahrstrecke vor uns hatten. Auf dem Weg in Blönduós wollten wir tanken. Wir wählten wieder die N1 Tankstelle, da wir dort mit der Karte von McRent 5% Rabatt bekommen. Als wir ausstiegen, merkten wir, dass der Bildschirm des Bezahlterminals komplett aus war. Wir gingen ins Gebäude und fragten nach. Sie hätten ein Problem und der Elektriker sei schon da. Tanken sei aktuell nicht möglich. Gut, dass wir nicht auf den letzten Drücker versucht hatten zu tanken. Da auf der weiteren Strecke auf der Karte nur eine Tankstelle zu sehen war, tankten wir in Blönduós ausnahmsweise bei einer anderen Marke.

Nach einer Weile verließen wir den Hringvegur zunächst Richtung Westfjorde. Kurze Zeit später bogen wir dann Richtung Snæfellsnes ab. Wir hatten erst etwas gezögert, ob diese vom Navi vorgeschlagene Route wirklich die beste ist, da die 59 nach einer sehr kleinen Straße aussah. Die Alternative wäre aber ein Umweg gewesen. Daher versuchten wir es. Ein Stück war Schotter, aber in gutem Zustand.

Skraumárgljúfur

Als wir auf Snæfellsnes ankamen, hielten wir Ausschau nach einem Parkplatz fürs Mittagessen. Seit wir den Hringvegur verlassen hatten, waren Parkplätze Mangelware. Bisher hatten wir in diesem Urlaub gar keine Probleme Parkplätze zu finden, aber heute war es etwas schwierig. Im Navi wurde noch für ein gutes Stück keiner angezeigt. Als wir hinter einer der vielen einspurigen Brücken einen Parkplatz erblickten, reagierten wir sofort. Und der Parkplatz war ein Glücksgriff. Beim Überfahren der Brücke konnte ich schon einen schönen Canyon mit türkisfarbenem Wasser und Lupinen an den Wänden erkennen. Nach dem Essen erkundete ich den Canyon nur mit meinem Smartphone bewaffnet. Ich war nicht die Erste. Ein Trampelpfad führte an einem Ufer entlang. Andere Leute hielten ebenfalls. Ich hatte das Gefühl, dass es bei manchen kein Zufallsfund war, bin mir aber nicht sicher. Ausgeschildert ist auf jeden Fall nichts. Eine schnelle Recherche verriet mir, dass es sich bei diesem hübschen Canyon um den Skraumárgljúfur handelte.

Interessant war auch, dass auf dem Parkplatz ein Auto des Straßenverkehrsamtes stand. Ein Herr machte alle möglichen Fotos unter der Brücke und flog sogar mit einer Drohne. Er fuhr vor uns weiter und wir sahen ihn dann nochmal an der nächsten Brücke. Isländische Brücken scheinen also gut geprüft zu werden.

Nach unserem Stopp wechselte der Straßenbelag wieder zu Schotter. Diesmal war die Straße teilweise in sehr schlechtem Zustand, sodass wir nicht besonders schnell voran kamen. Spätestens jetzt waren wir froh den ursprünglich geplanten Umweg über Hvítserkur heute Morgen gestrichen zu haben. Die Aussicht während der Fahrt war sehr schön. Immer wieder hatten wir wunderschöne Ausblicke auf das Meer und auf schneebedeckte Berge.

Gut gelegene Parkplätze gab es nur sehr wenige. Einen hätten wir genutzt, wenn er nicht schon mit drei französischen Wohnmobilen voll gewesen wäre. Ab der Abzweigung nach Stykkishólmur war die Straße endlich wieder asphaltiert und wir konnten die letzten Kilometer nach Grundarfjörður zügig zurücklegen.

Campingplatz

Dort steuerten wir direkt den Campingplatz an. Wir wollten sichergehen noch einen Platz mit Strom zu bekommen. Der Plan ging auf.

Anstatt direkt am Kirkjufellsfoss zu parken kann man auch vom Campingplatz hin laufen. Das taten wir.

Der Weg war eigentlich sehr schön. Nur auf einem kurzen Teilstück über einen Hof wurden wir von Seeschwalben attackiert. Wir erinnerten uns direkt an unser Erlebnis in Kennett River mit dem Elsterangriff. Bei Hvítserkur hätten wir genau mit so einer Situation gerechnet. Davor gab es Warnungen im Internet. Hier wurden wir überrascht. Wir setzten schnell die Kapuzen unserer Fleecejacken auf und joggten mit Umdrehen und im Zickzack, bis wir aus dem Bereich heraus waren. Mehrere Male täuschte ein Vogel einen Angriff an. Wir hatten aber das Gefühl, dass es wirklich nur vorgetäuschte Angriffe waren und keine fehlgeschlagenen echten. Anderen Leuten erging es ähnlich. Vielleicht könnte man ein Warnschild anbringen, wenn ein Wanderweg durch ein Nistgebiet führt. Sonst wird überall vor allem gewarnt. Auf der Straße hatten wir schon zwei Mal eine Warnung, als Vögel auf ein paar hundert Metern direkt an der Straße nisteten und über der Straße hin und her flogen. Zu Fuß wäre das wichtiger gewesen. Als wir aus der „Gefahrenzone“ heraus waren, gingen wir flott weiter, da es noch sonnig war, aber dicke dunkle Wolken immer näher rückten.

Kirkjufellsfoss und Kirkjufell

Wir kamen rechtzeitig am Kirkjufellsfoss an. Wie erwartet war es vor Ort ein Geduldsspiel ein Foto des oberen Wasserfalls zusammen mit dem Kirkjufell ohne Menschen oder Autos zu bekommen. Immer wenn wir gerade die Hoffnung hatten, dass der relevante Teil des Weges vom Parkplatz zum Wasserfall gleich menschenleer sein könnte, kamen wieder neue Leute vom Parkplatz oder es gingen welche zum Parkplatz zurück. Die Leute kamen oft schubweise. Wir vermuteten, dass sie vom Kreuzfahrtschiff, das vor dem Hafen lag, her gekarrt wurden. Als wir eine kurze Lücke hatten, fuhren gerade mehrere Autos die Straße entlang. Mit viel Geduld erwischten wir dann doch noch den perfekten Moment.

Anschließend gingen wir hinunter zum unteren Wasserfall. Der Weg war gesperrt mit der Begründung Rutschgefahr. Das war ein Witz. Es war komplett trocken. Wenn es keinen Weg gegeben hätte oder wenn es ein Schild mit Schutz oder Erholung von Natur gegeben hätte, hätten wir das Schild nicht ignoriert, aber es war ein angelegter Weg mit Antirutschplastik, komplett trocken, weit weg von jeglichem Abgrund oder Wasser. Das Schild interessierte auch niemanden. Jeder ging hinunter. Von unten konnte man den unteren Teil des Wasserfalls mit dem Kirkjufell fotografieren und hatte nicht das Problem mit Leuten im Bild.

Am anderen Ufer des Flusses gab es anscheinend auch einen Weg. Er schien aber komplett gesperrt zu sein und auch so uninteressant, dass niemand trotz Sperrung hinunter ging. Sonst wäre auch kein einziges Foto ohne eine solche Person möglich gewesen. Warum man so einen Weg überhaupt anlegt, ist mir schleierhaft.

Wenn es windstill gewesen wäre, hätte ich noch versucht ein Foto des Kirkjufells mit Spiegelung im Wasser zu machen. Das war heute nicht möglich. Nachdem ich den Kirkjufellsfoss bei so schönem Wetter erwischt hatte, konnte ich das aber gut verschmerzen.

Auf dem Rückweg gingen wir das Stück um den Nistplatz der Seeschwalben auf der Straße. Die Dusche sparten wir uns heute, da es nur die Möglichkeit gab für 900 kr im benachbarten Schwimmbad zu duschen. Das war uns zu umständlich und zu teuer.

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