Du betrachtest gerade Island 2026 Tag 15: Húsavík
Buckelwal

Da wir gestern unsere Waltour aufgrund der Wettervorhersage noch auf eine spätere Uhrzeit verschoben hatten, hatten wir heute Morgen alle Zeit der Welt. Wie vorhergesagt war es zunächst noch grau, aber trocken.

Hafen

Wir gingen zu Fuß zum Hafen um uns den Weg für später schonmal anzuschauen und auch ein bisschen die Zeit zu vertreiben. Interessanterweise startete gerade unsere ursprünglich gebuchte Tour. Die Sylvía lag schon bereit. Sie ist ein traditionelles isländisches Fischerboot aus Eiche, das zum Passagierschiff umgebaut wurde. Nach einer umfassenden Modernisierung mit neuem Motor, neuen Kraftstofftanks und neuem Propeller ist sie heute besonders umweltfreundlich: Sie verbraucht weniger Kraftstoff, ist leiser und verhindert, dass Kraftstoff ins Meer gelangt. Wir hatten für unsere Tour extra eine Uhrzeit gewählt, zu der die Sylvía eingesetzt wird, und auch bei der Umbuchung darauf geachtet wieder eine solche Zeit zu erwischen.

Wir beobachteten genau, wie alles ablief, da wir noch ziemlich unentschlossen waren, was wir später anziehen und mitnehmen sollten. In E-Mails hatte man uns gewarnt uns warm genug anzuziehen und geraten keine Rucksäcke mitzunehmen. Als wir sahen, dass jeder Passagier einen Ganzkörper-Overall und zusätzlich eine Regenjacke bekam, waren wir der Meinung, dass sich warm anzuziehen keine gute Idee wäre.

Nachdem die Sylvía unterwegs war und wir einige Fotos von ihr gemacht hatten, gingen wir zum Ticket Center und fragten nochmal nach wegen der Kleidung. Die Dame bestätigte, dass wir Overalls und Regenjacken bekommen würden. Daher beschlossen wir uns ganz normal anzuziehen. Ich entschied außerdem einen kleinen Rucksack mitzunehmen, da ich mir nicht vorstellen konnte fast vier Stunden keinen Schluck Wasser zu trinken. Das mit den gestellten Klamotten ist einerseits gut, aber andererseits auch etwas nervig, da man nicht an seine eigenen Hosen- und Jackentaschen kommt. Meine Nase läuft z.B. bei kühlem Wetter oder Wind immer. Ich möchte niemandem zumuten eine Jacke zu tragen, in deren Tasche ich meine benutzten Taschentücher hatte.

Campingplatz

Als wir zum Mittagessen zurück am Campingplatz waren, kam die Sonne schon durch die Wolken hindurch.

Waltour

40 Minuten vor Beginn der Tour mussten wir einchecken, 15 Minuten vorher sollten wir am Anleger bereit stehen. Wir wurden dann abgeholt und zum Boot geführt. Dort wurden unsere Tickets kontrolliert und man erklärte uns, dass wir beim Einsteigen Overalls bekommen würden. Sie hingen auch schon über der Bordwand. Die zusätzlichen Regenjacken hatten sie glücklicherweise weggepackt. Die Overalls hatten an den Beinen seitlich Reißverschlüsse, sodass man die Schuhe nicht ausziehen musste. Wer Rucksäcke hatte, sollte sie mitten auf dem Boot in einen offenen Kasten legen. Zum Glück hatte ich nur einen alten kleinen Rucksack dabei mit einer Wasserflasche und Handschuhen, den ich bei solchen Reisen immer zum Duschen mitnehme. Meinen ordentlichen Wanderrucksack hätte ich dort nicht hinlegen wollen.

Nachdem alle eingekleidet waren, legten wir ab und bekamen zunächst eine kurze Sicherheitseinweisung. Sobald wir den Hafen verlassen hatten, fing das Boot ordentlich an zu schaukeln. Das hatte man uns gestern per E-Mail und auch heute beim Einchecken schon angekündigt. Es war zwar nicht mehr windig, aber das Meer brauchte nach dem gestrigen Sturm noch eine Weile um sich zu beruhigen. Es gab nicht für alle Sitzplätze, aber ich wollte sowieso lieber an der Reling stehen um direkt bereit zu sein, wenn wir einen Wal sichten.

Buckelwale

Nach kurzer Zeit sahen wir ganz weit entfernt Blas. Wir waren aber in Richtung zu zwei anderen Booten unterwegs, da wir vermuteten, dass sie einen Wal sahen. Als wir noch ein ganzes Stück von ihnen entfernt waren, sahen wir zwischen ihnen und uns ebenfalls Blas. Wir lagen zu dem Zeitpunkt deutlich günstiger als die anderen Boote. Ich stand auf der linken Seite relativ weit vorne und der Buckelwal war auf dieser Seite.

Wenn der Buckelwal abtauchte und nah unter der Oberfläche blieb, war er ganz gut zu verfolgen, da seine Flanke und Unterseite sowie die Unterseite seiner Brustflosse weiß waren. So war es einfacher ihn beim nächsten Auftauchen wieder im Bild zu haben. Er tat uns den Gefallen einige Male aufzutauchen. Bei einem Abtauchen hob er wunderbar seine Fluke vor einer traumhaften Bergkulisse.

Wir hatten uns inzwischen so positioniert, dass er genau vor uns war. Die Leute ganz vorne hatten Anweisung bekommen sich klein zu machen, damit alle etwas sehen. Das kam mir sehr zugute, da ich über sie hinweg fotografieren konnte.

Ich dachte eigentlich, dass der Wal jetzt länger taucht und wir weiterfahren. So hatten wir es bei anderen Walen gelernt. Wir blieben aber und tatsächlich tauchte der Wal ca. fünf Minuten später wieder auf. Auch diesmal tauchte er wieder mit Heben der Fluke ab, allerdings nicht ganz so schön hoch. Außerdem hatte ich das Problem, dass er leicht rechts vor uns war. Da wir auf den Wellen sehr stark schaukelten, verdeckte die vordere Reling für mich immer zeitweise den Wal.

Ohne den Fahrtwind war es so warm, dass wir ganz schön in der Sonne brutzelten. Ich war heilfroh die Anweisung sich warm anzuziehen ignoriert zu haben, nachdem wir heute Morgen die Overalls gesehen hatten. Nach einer Weile verließen wir diesen Wal und fuhren zu einer anderen Gruppe Boote. Unser Boot hatte oben eine Art Ausguck. Dort durften sich nur maximal acht Personen gleichzeitig aufhalten. Als wir weiterfuhren, wurden die Leute, die von Anfang an dort waren, gebeten Platz für andere zu machen. Ich ergriff die Chance. Erst befürchtete ich, dass es dort schon wieder voll sein könnte, bis ich von vorne bis ganz hinten zur Treppe gelangt war. Anscheinend war das Interesse aber gar nicht so groß. Wir waren erst zu fünft oben und dann kam noch eine sechste Person dazu.

Von oben zu fotografieren hatte den Vorteil dass man Sicht auf beide Seiten hatte. Nur der Blick geradeaus nach vorne war durch einen Mast verdeckt. Da machte unser Kapitän einen guten Job. Kurzzeitig war der Wal genau vor uns. Da drehte er sofort etwas ab, damit der Wal wieder auf einer Seite war. Auch von diesem Wal bekamen wir bei einem Abtauchen wunderbar die Fluke zu sehen. Einige Male deutete er ein Abtauchen an, hob die Fluke aber nicht.

Von hier oben konnte man auch gut erkennen, dass es einigen Leuten inzwischen nicht mehr gut ging. Mehrere fütterten die Fische. Sie stellten sich allerdings auch nicht clever an. Uns wurde von Anfang an gesagt, dass es hinten weniger schaukelt. Trotzdem hielten sie sich vorne auf.

Einer unserer Guides saß bei uns oben neben dem Kapitän. Wir unterhielten uns mit ihm etwas über frühere Walsichtungen an anderen Orten. Er wollte von jedem von uns wissen, ob wir schonmal Wale gesehen hatten und wenn ja, welche und wo. Dabei sahen wir noch einige Male einen Wal auftauchen, aber kein Abtauchen mit Heben der Fluke mehr.

Mit dem Kapitän tauschte sich unser Guide über die verbleibende Zeit aus. Wir waren ziemlich weit vom Hafen weg und mussten pünktlich zurück sein, da nach uns noch eine Tour anstand. Als sie sich geeinigt hatten umzukehren, nutzte ich schnell die Chance nach unten zu klettern. Wenn das Boot richtig schaukelte, war das nämlich gar nicht so einfach. Das hatte ich auf dem Weg nach oben gemerkt. Ich hätte beim Hochklettern gerne die Kamera mit einer Hand gehalten und mich mit der anderen am Geländer festgehalten. Das musste ich allerdings schnell aufgeben, da ich mit der einen Hand nicht umgreifen konnte und es nicht möglich war auch nur kurz komplett loszulassen.

Die Rückfahrt zog sich etwas, da klar war, dass wir jetzt nicht mehr nach Walen suchen. Als wir fast am Hafen waren, zeigte unser Guide uns noch echte Barten, erklärte, wie sie funktionieren und lieferte noch ein paar andere Fakten zu Buckelwalen. Wir zogen so langsam unsere Overalls aus und hängten sie nach Größen sortiert über die Reling.

Als wir gelandet waren, suchten wir als erstes die Toilette auf. An Bord gab es zwar eine, aber bei der Schaukelei und mit dem Overall wäre das kompliziert geworden. An der Toilette am Ticket Center war eine Schlange, weil die Gäste der nächsten Tour natürlich alle vor ihrer Tour noch hin wollten und viele von unserer Tour nach der Tour.

Anschließend liefen wir noch durch den Hafen und machten noch ein paar Bilder, da das Licht jetzt ganz anders als heute Morgen war.

Nachdem die Sylvía wieder ausgelaufen war, gingen wir zurück zu unserem Campingplatz.

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